Samstag, 4. Februar 2012
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Category: Politik

Für Freiheitsrechte oder doch nur gegen “Spaßbremsen”?

Es ist was los im Lande Hessen. Die Gemüter entzünden sich an der Fragestellung, ob man am Osterwochenende, speziell am Karfreitag, tanzen darf.

Auf der einen Seite steht der Frankfurter Ordnungsdezernent Volker Stein – pikanterweise von der “Freiheitspartei” FDP – der das Verbot von Tanzveranstaltungen am Osterwochenende strikt durchsetzen will. Auf der anderen Seite versammelt sich eine Allianz von Entrüsteten über diese antiquierte Freiheitseinschränkung durch den Glauben einer gesellschaftlichen Minderheit. Eine entsprechende Online-Petition – initiiert von dem DJ Marcus “Marc Keen” Bender und unterstützt u.a. von der Frankfurter Rundschau und dem Hessischen Rundfunk – hat innerhalb weniger Tage mehrere tausend Unterschriften erhalten.

Tausende Menschen für eine progressive, säkulare Gesellschaft!

Tausende Aktivisten für negative Religionsfreiheit!

Das sollten doch tausende Gegner von religiöser Zwangbeschneidung sein!

Denn immerhin geht es dabei um ein wesentlich ernsthafteres Problem mit erheblich einschneidenderen Auswirkungen auf die persönliche Freiheit als durch das “Tanzverbot”:

  • Verletzung des universellen Menschenrechts auf körperliche Unversehrtheit
  • Schmerzen, Trauma und Risiken bis hin zum Tod
  • sexuelle Verstümmelung und Lusteinschränkung für das ganze Leben
  • an Minderjährigen, die nicht gefragt werden bzw. sich nicht wehren können

Das müsste doch Grund genug sein, um sich mindestens so aufzuregen wie über ein paar religiös erzwungene Abende mit “Langeweile” bzw. notgedrungener Alternativbeschäftigung im Jahr.

Natürlich glaube ich nicht daran, dass mehr als eine Handvoll der neuberufenen “Freiheitsrechtaktivisten” sich nach dem Tanzverbot auch gegen Jungenbeschneidung einsetzen würde. Säkularität und negative Religionsfreiheit schert die meisten der Petitenden doch einen feuchten Kehrricht, solange nicht ihre eigenen Belange betroffen sind.

Hier geht es nur darum, egoistisch ihre eigene freie Persönlichkeitsentfaltung – treffender wäre wohl “Spaßanspruch” – durchzusetzen, und seitens der Veranstalter natürlich um das eigene finanzielle Interesse.

Will mir jemand das Gegenteil beweisen?


Vil forby omskjaering av gutter

Die Holländer haben die erfolgreicheren Fußballer und die ethischeren Ärzte, die Norweger die schnelleren Skiläufer und die mutigeren Medizinethiker.


Zensursula: Not my president

Wie tagesschau.de soeben meldet, soll Ursula von der Leyen bei der Suche nach einem Nachfolger Köhlers im Amt des Bundespräsidenten aus dem Rennen sein, weil sie – wie die FDP ganz richtig herausgefunden hat – der “Antityp” für die junge Generation ist. In jedem Fall ist und bleibt von der Leyen eine Reizfigur.

Der CSU ist sie dagegen nicht konservativ genug, wobei man allerdings auch bedürchtet, dass sie im Bundeskabinett eine zu große Lücke hinterlassen würde.

Das T-Shirt gegen die Nominierung von der Leyens ist trotzdem interessant: Link


Bauen amerikanische Kinderärzte vor?

Vor kurzem wurde das neue Positionspapier der Vereinigung der amerikanischen Kinderärzte AAP zu weiblicher Genitalverstümmelung publiziert.

Diese neue Version enthält merkwürdige Relativierungen, die im Vergleich zu dem AAP-Positionspapier von 1999 eine Verschlechterung des Schutzes von Mädchen mit sich bringen.

Was bezwecken die amerikanischen Kinderärzte damit?


Deutschland nimmt Kinderrechte zurück

Häh?

Man traut der derzeitigen Chaosregierung in der Prä-NRW-Wahl-Paranoia ja so einiges zu, aber wo kommt DAS denn her?

Man muss den einleitenden Satz der heutigen Pressemeldung des Bundesjustizministeriums schon ganz genau lesen: Nicht die Rücknahme der Erklärung der Kinderrechte wird verkündet, sondern die Rücknahme der Erklärung zur Kinderrechtekonvention, genauer gesagt einer Vorbehaltserklärung zu Sorgerecht, Rechtsbeistand, illegaler Einreise und Kindersoldaten.

“Heute ist ein großer Tag für die Kinderrechte”, jubelt Frau Leutheusser-Schnarrenberger in der Pressemitteilung. Mit der Rücknahme werde deutlich, dass Deutschland Kinderrechte ohne Vorbehalt achte und schütze. Sie erwarte das klare Signal, dass dem Kindeswohl Vorrang gebührt: “Kinder haben Rechte – und sie haben diese Rechte ohne Vorbehalte, ohne Wenn und Aber.”

Aha.

Unerklärte Vorbehalte muss man dabei ja nicht  erwähnen. So wie den, dass man sich außerstande sieht, die körperliche Unversehrtheit von männlichen Kindern zu gewährleisten.


 

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