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Category Archives: Aufklärung

Pro & Kontra – Die Doppelzüngigkeit von ‘Beatrice’

Wer ist Beatrice? Beatrice heißt wohl mit bürgerlichem Namen Thomas und beitreibt ein Aufklärungsportal. So etwas wie Doktor Sommer für Erwachsene.

Und die Fragen haben es zum Teil so richtig in sich. Frank, 40, schildert beispielsweise ein sehr brutales Erlebnis seines Sohnes bei der Kinderärztin. angeblich sei dort die Vorhaut während einer akuten Entzündung gewaltsam zurückgezogen worden. Franks Frau macht ihm Vorwürfe, denn das alles hätte vermieden werden können, wenn er sich nicht 6 Jahre vorher gegen eine Säuglingsbeschneidung gesträubt hätte. Seine Frage: Hat seine Frau recht?

Die Antwort von Beatrice war ganz klar: Nein, und auch in den USA lehnen immer mehr Ärzte die Säuglingsbeschneidung als “unsinnig” ab. Und weiter:

“Ich bekomme öfter Briefe von beschnittenen Männern, die sehr lange zum Orgasmus brauchen (nicht mehr schön für die Partnerin!) oder oftmals gar nicht kommen, weil der Penis zu unsensibel geworden ist. … Ein 6jähriger versteht mehr als du vielleicht denkst.”

Aber Beatrice kann auch ganz anders:

Stan, 16, hat erst sehr spät festgestellt, dass er beschnitten ist. Seine Eltern haben ihm nie etwas davon erzählt, er ist verzweifelt und weiß nicht weiter. Und was antwortet Beatrice?

“Wieso bist du denn verzweifelt? Da gibt es doch gar keinen Grund dafür. Es spricht [...] alles dafür, dass du bei [einer] früheren Operation auch gleich beschnitten wurdest. … Sie hätten´s dir sagen können, aber die Frage ist ja, ob ein Fünfjähriger versteht, wozu eine Beschneidung gut sein soll. … Zudem ist auch eine fehlende Vorhaut überhaupt kein Grund für Verzweiflung, weil ein beschnittener Penis genauso gut ist wie ein unbeschnittener.

Das klingt irgendwie – anders. Und spricht auch nicht wirklich für Beatrice Thomas.

Beschneidungssaison! – Vol. 5

Die winterliche Beschneidungssaison in Eastern Cape endete mit den letztgenannten 53 Toten.

Zwei weitere Todesfälle von Teenagern nach Beschneidung wurden aus Malawi bekannt. Beschneidung ist in Malawi eigentlich nicht üblich – die Nyasa Times erläutert, dass es ein “neues Phänomen in Folge von Berichten, dass es das Risiko reduziert, sich beim Geschlechtsverkehr mit HIV anzustecken” ist. Die ersten (dokumentierten) Todesfälle in direkter Folge von “Beschneidung gegen AIDS” also. Herzlichen Glückwunsch!

In einem abschließenden Bericht aus Eastern Cape heißt es, dass Regierungsbeamte vom Anblick der verrottenden und abfallenden Genitalien der Jugendlichen in den Krankenhäusern “traumatisiert” wurden (wie traumatisiert sind wohl erst die Jugendlichen, die diesen Schrecken am eigenen Körper erleben müssen?). Mit einer Fotokampagne soll jetzt für die Risiken sensibilisiert werden.

Was bei Beschneidungen herauskommen kann, war bisher aber keineswegs unbekannt. Ein Bericht von PSI, AIDSMark und USAID aus dem Jahr 2006 schildert Komplikationen in Kenia.

Empfehlenswert für alle “Ahnungslosen” ist insbesondere ein Blick auf Seite 12 des PDF. Schockierend auch die Seite 11 angesichts der Tatsache, dass es sich hier um eine medizinische Beschneidung handelte.

Die Forscher fassen zusammen, dass bei der direkten Beobachtung von insgesamt 24 Beschneidungen “nur eine von zwölf medizinischen und zwei von zwölf traditionellen Prozeduren ohne nachteilige Auswirkungen verliefen”. Das entspricht Komplikationsraten von 92 % (medizinisch) bzw. 83 % (traditionell)!

Ein südafrikanischer Regierungsbeamter hofft indes, “dass es in der diesjährigen Sommersaison keine traumatischen Erlebnisse mehr gibt”.

Ich fürchte, das wird ein frommer Wunschtraum bleiben…

Beschneidungssaison! – Vol. 4

Seit dem letzten Blogeintrag zum Thema ist die Zahl der Toten in der südafrikanischen Provinz Eastern Cape langsamer, aber weiter stetig gestiegen und beträgt inzwischen

52
53

Die Zahl der Krankenhauseinweisungen ist schwer zu überblicken, geht vermutlich in die Hunderte.

Die katastrophale Situation ist geprägt von hochgradiger Unvernunft und Klammern an Traditionen:

Seit 2001 müsse, wer in Südafrika Beschneidungen durchführt, eine medizinische Lizenz vorweisen können, doch die traditionellen Führer der Gemeinschaften weigerten sich, dieses Gesetz anzuerkennen. Trotz Aufklärungskampagnen über die Gefahren der illegalen Beschneidungsschulen schickten Eltern weiterhin ihre Kinder dort hin. Auch die ermahnenden Aufrufe, die Jungen vor der Initiation einem Arzt vorzustellen, damit dieser feststellt, ob sie aufgrund von Vorerkrankungen nicht fit genug für eine Beschneidung sind, würden nicht befolgt.

Um dem Gesetz zu entgehen, würden die Jungen immer höher in die Berge und tiefer in die Wälder gebracht. Dadurch komme es zu mehr Todesfällen, da sie nicht rechtzeitig gefunden und in Krankenhäuser gebracht werden könnten. Um die illegalen Beschneider vor Verhaftungen zu schützen, verstecke die Bevölkerung zudem verletzte, erkrankte Opfer, bis es zu spät sei, um sie zu retten.

Von einigen Jungen, die nach dem Ferienende nicht wieder in die Schule gekommen waren, wurde bekannt, dass sie krank daheim lagen und ihre Eltern ihnen nicht erlaubten, ins Krankenhaus zu gehen. Andere Eltern bestünden sogar darauf, dass ihre Söhne trotz Erkrankungen im Busch bleiben, um das Initiationsritual ordnungsgemäß zu beenden. Ein Junge wurde im Krankenhaus soweit gesund gepflegt, dass er nach Hause entlassen werden konnte – doch seine Eltern schickten ihn prompt zurück in den Busch. Nun liegt er wieder im Krankenhaus und ist in kritischem Zustand.

Trotz der widrigen Umstände ist die für Eastern Cape zuständige Gesundheitsbehörde überzeugt, einen noch verheerenderen Ausgang der Saison verhindert zu haben. Ohne ihren Einsatz wäre die Todesrate doppelt so hoch, schätzt ihr Sprecher. Mehr als 200 Jungen seien bereits bis Mitte Juli gerettet worden. Für die Zukunft sind weitere Aufklärungskampagnen geplant und das “Beschneidungsteam” der Gesundheitsbehörde soll verstärkt werden.

(Update der Todesopferzahl am 07.08.2009.)

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    Programme zur Verteilung von antiretroviralen Medikamenten in Afrika werden aus Geldmangel zusammengestrichen, während nach wie vor Geld in die sich als immer sinnloser und gefährlicher erweisende Strategie “Beschneidung gegen AIDS” gepumpt wird. Es ist höchste Zeit, umzudenken und umzuschwenken! Das Wohl und Wehe Afrikas hängt davon ab. Aber ob die Entscheidungsträger und Geldgeber bereit sein werden, ihren Fehler zuzugeben bzw. von dem offenbar liebgewonnenen Steckenpferd Beschneidung abzulassen?

    weiter ...

    Beschneidungssaison! – Vol. 3

    Im Moment kommt man kaum hinterher mit dem grauenvollen Zählen von Todesopfern der diesjährigen südafrikanischen Beschneidungssaison.

    Vor nur zwei Tagen, am 2.7.2009, wurden noch 24 Tote gemeldet, inzwischen sind es bereits

    31

    Es wurden außerdem über 60 Einlieferungen in Krankenhäuser gemeldet, mindestens 6 dieser Jugendlichen lagen auf der Intensivstation. Damit starben in diesem Jahr bereits mehr Jungen als in der gesamten Saison 2008, die mit 24 Toten und 535 Krankenhauseinweisungen endete.

    Mindestens zwei der diesjährigen Todesopfer hatten legale Beschneidungsschulen besucht, was zeigt, dass das Problem auch durch “ordentliche” Durchführung nicht ganz in den Griff zu bekommen ist.

    Dennoch entblöden sich einige User des Spiegel-Forums, in der Diskussion über die Gesetzesnovelle zur Verjährungsfrist von weiblicher Genitalverstümmelung, immer noch nicht der Argumentation, dass Mädchen- und Jungenbeschneidung auch deswegen überhaupt nicht zu vergleichen sei, weil Mädchen in Scharen daran stürben, Jungen jedoch niemals…

    Doch nicht alle Opfer von Beschneidungskomplikationen sterben, manche haben auch “Glück”: Am 19.6.2009 wurde gemeldet, dass vier 13-14jährige Südafrikaner ins Krankenhaus eingeliefert worden,  zwei von ihnen “nur” mit schwer infizierten Wunden. Der Penis eines weiteren faulte vor sich hin – die Eichel war bereits abgefallen – und ein vierter Junge litt unter so schwerem Wundbrand, dass die Ärzte verzweifelt darum kämpften, die Blutversorgung des Penis wiederherzustellen.

    Der Artikel schließt damit, dass das Beschneidungsritual von den Xhosa als Übergang vom Jungen zum Mann angesehen wird – welch perfide Ironie, dass dabei jedes Jahr Jungen ihre Männlichkeit verlieren

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