Der Berufswunsch eines Sechsjährigen
Geschrieben von admin in Religion Mittwoch, 3 Februar 2010 14:41 11 Kommentare
Die ‘Badische Zeitung‘ berichtet über eine ‘Heldenverehrung’ ganz besonderer Art: Hakan und Yunus wurden vor etwa einem Jahr – wie es so schön verharmlosend heißt – zum Mann gemacht.
Ihr Cousin Yusuf “will auch beschnitten werden!”, dies sagte er damals, vor einem Jahr, jedenfalls. Yusuf war erst neulich dran und die Zeitung zitiert die recht diabolischen Ansichten eines oder gar seines unvernünftigen Arztes. “Kein Problem” sei das für Kinder, “manchmal sogar notwendig” und setzt sich dabei über grundsätzliche ethische Bedenken hinweg. Und auch ansonsten greift er in die argumentative Trickkiste. Angeblich schützt dieser Ritus gar vor Krebs. Wissenschaftliche Beweise? Fehlanzeige.
Yusuf aber geht es besser als seinem Großvater, dem wurde die Vorhaut nämlich noch ohne Betäubung mit der Rasierklinge abgeschnitten und die Wunde dann mit verbrannter Kuhscheiße eingerieben. Beschreibungen, die der normale, zivilisierte Mitteleuropäer ansonsten nur mit der zu Recht kritisierten Mädchenbeschneidung in Afrika und Asien in Verbindung setzt.
Apropos Wunde, die muss Yusuf natürlich zeigen. Den Tanten und Onkels, den Cousins und Cousinen, die bringen dafür Geld und Geschenke. Pläne für die Zukunft hat der Sechsjährige auch schon gemacht. “Ich brauche nicht mehr arbeiten zu gehen, ich zeige jedem meinen Pipi und kassiere”.
Normal ist das nicht.
Nein, normal ist das nicht.
Das ist WI-DER-LICH!
Wie Musketiere säbelschwingend auf Ponys triumphal durch einen Saal galoppieren, wo eine gigantische Fete nur für sie gefeiert wird, jede Menge Geschenke inklusive 500 Euro und einen Hund einstreichen – na klar melden sich Jungs da freiwillig und mit Begeisterung!
Das nennt sich auch Bestechung und Manipulation.
Den “Preis” dafür erfuhr Yusuf erst hinterher, und selbst in diesem rosarot-verklärenden Artikel schimmert durch, dass ihm DAMIT nicht wohl war und er sich DAFÜR definitiv NICHT freiwillig gemeldet hätte.
Und wenn eine andere Situation publik würde, in der jede Menge seltsame Onkels und Tanten den Penis eines Kindes sehen wollen und ihm dafür Geld zustecken, wäre das ein Fall für Zartbitter oder die Berliner Jungs e.V.
Die gesundheitlichen Rechtfertigungen des Chirurgen zeigen außerdem, dass ihm unterbewusst die religiös-kulturelle Begründung nicht ausreicht, um sein Gewissen zu beruhigen, ein völlig gesundes, wehr- und ahnungsloses Kind zu verstümmelt zu haben.
Ich kann den Herrn da leider auch nicht trösten. Was er getan hat – und wahrscheinlich jährlich hundertfach tut – ist ein grober Verstoß gegen die ärztliche Ethik. Primum non nocere! Herr Dr. Hans Albert Beiler, Facharzt für Kinderchirurgie, Sie sind eine Schande für Ihren Berufsstand!
Ging deine Antwort vielleicht auch als Leserbrief an die Zeitung? Waere sicher sinnvoll…
@GastNutzer
Ich glaube das Moderatoren-Team ist wie ich es kenne in dieser Hinsicht garantiert aktiv geworden.
Gibt es dazu einen Link zur Zeitung? Konnte ihn leider nicht finden…
Hochinteressant…
Man kann mal davon ausgehen, dass die Badische Zeitung den ein oder anderen bösen Leserbrief bekommen hat.
Abgedruckt wurde natürlich keiner. Aber unter dem Artikel ist jetzt auf einmal ein “Info-Kasten” zu Beschneidung aufgetaucht, in dem steht, wie notwendig Beschneidung medizinisch und religiös ist und dass der Islam dabei sogar ganz bedacht den Schaden und Nutzen für ein Lebewesen abwägt.
Es wird dadurch nicht besser, Leute!
Ein großes Fragezeichen auch noch hierzu:
“In Deutschland werden pro Jahr 100 000 Jungs beschnitten. Jeder vierte wird nach muslimischem Brauch oder wegen einer Vorhautverengung beschnitten.”
Jeder vierte. Also 25.000 von 100.000. Muslimisch + Phimose, was nach vernünftigen Schätzungen die häufigsten Gründe in Deutschland sind. Was ist also mit den restlichen 75.000? Wohl kaum alles Juden. Sonstige beschneidende Kulturen wie USA, Afrika, Philippinen, Südkorea? Oder hirnrissige Deutsche, die glauben, die amerikanische Routinebeschneidung nachmachen zu müssen?
Naja, wahrscheinlich ist die Zahl genauso starker Tobak wie der Rest des Artikels…
So ich hab mal etwas nettes geschrieben.
momentan steht mein Kommentar noch drin.
Mal schauen wie lange das noch so bleibt.
Also im Moment ist Deiner noch da.
Und ich habe es jetzt auch endlich hingekriegt, mich für Kommentare zu registrieren (wenn man auch zu blöd ist und immer wieder versucht, den Nutzernamen im Feld für die E-Mail-Adresse einzutragen…).
Ich war ein bisschen “böser” als Du.
Mal sehen, wie lange sie meinen Kommentar “ertragen”…
Ich fand die Registrierung auch etwas aufwendig. Übrigens sieht der Blog richtig gut aus.
Die Badische Zeitung hat für ihren “tollen” Artikel ganz offensichtlich ordentlich auf die Mütze bekommen.
Jedenfalls sind auf der Webseite jetzt nicht weniger als 4 Leserbriefe zum Thema aufgetaucht. Bis auf einen schlagen sie alle in “unsere” Kerbe.
http://www.badische-zeitung.de/meinung/leserbriefe/ein-verstoss-gegen-den-hippokratischen-eid
http://www.badische-zeitung.de/meinung/leserbriefe/es-ist-auch-im-juristischen-sinn-koerperverletzung
http://www.badische-zeitung.de/meinung/leserbriefe/diese-darstellung-verharmlost-die-wirkung
http://www.badische-zeitung.de/meinung/leserbriefe/was-meint-die-autorin-genitalverstuemmelung
Die eine Ausnahme echauffiert sich darüber, dass im Infokasten Mädchenbeschneidung “nur” als umstritten und nicht als abgrundtief-verachtenswert-und-von-keinem-zivilisierten-Menschen-der-diese-Bezeichnung-verdient-akzeptierbar bezeichnet wird. Die Dame – tatsächlich sind alle 4 Briefe von Frauen – hat den Kasten allerdings nicht ganz richtig verstanden. Es ging hier offensichtlich zunächst einmal um die religiöse (Un)Umstrittenheit der Praktiken und ist insofern korrekt: Während Jungenbeschneidung bis auf (noch) wenige rebellische Ausnahmen als ordnungsgemäße islamische und jüdische Praktik angesehen wird, gibt es bei Mädchenbeschneidung neben der Ablehnung als “unislamisch” eben auch nach wie vor Auslegungen, in denen Mädchenbeschneidung ein selbstverständlicher Teil des islamischen Glaubens ist, der auch erbittert verteidigt wird, ob uns “zivilisierten” (?) Menschen das nun passt oder nicht. Sie steht ja nun mal auch in einer “Empfehlung des Propheten”, genau wie die Jungenbeschneidung. Warum die eine Empfehlung “ernst genommen” während die andere als “unislamisch” abgeurteilt wird, konnte mir noch niemand schlüssig erläutern…
Aber alles in allem ist das auf jeden Fall eine erfreuliche Entwicklung. Die Jungsverstümmler bekommen immer mehr Gegenwind!
Dazu kommt noch das es sich bei den ersten beiden Leserbriefen um Ärztinnen handelt. Zwar wohl nicht dem entsprechenden Fachgebiet aber immerhin.